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| Das Basler Barockopernensemble. |
| Oreste (Scala Basel,
März 2005)
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Eine der ersten Opern, mit
der er eine Wende in der Auseinandersetzung herbeiführen wollte,
war der Oreste,
der im Kern auf Euripides’ Tragödie Iphigenie bei den Taurern
zurückgeht. Iphigenie dient als Priesterin der Artemis auf der
Insel Tauris und
muss dort gegen ihren Willen die grausamen Gesetze des Königs
Thoas ausführen.
Jeglicher Fremde, der den Boden von Tauris betritt, soll geopfert
werden. Der
nach der Tötung seiner Mutter Klytämnestra halb wahnsinnige
Orest, der Bruder
Iphigenies, erreicht den Strand von Tauris. Iphigenie findet ihn, und
ohne ihn
zu erkennen, beschließt sie seine Rettung und versteckt ihn. Sie
weiht den ihr
ergebenen Hauptmann Philoktetes ein, der zugleich Vertrauter des Thoas
ist.
Orestes Ehefrau Hermione und sein Freund Pylades, die Orest aufgrund
einer
Weissagung gefolgt sind, kommen ebenfalls auf Tauris an. Sie werden
sofort von
Thoas verhaftet und zum Tode verurteilt. Thoas glaubt in jedem Fremden
Orest zu
erkennen, der nach einem Orakelspruch seine Herrschaft beenden wird.
Der wirkliche
Orest erkennt den gefesselten Pylades und verlässt sein Versteck.
Daraufhin
wird auch er festgenommen. Thoas befiehlt die umgehende Tötung der
Gefangenen.
Zuvor aber bietet er der schönen Hermione die Freilassung an, wenn
sie seine
Frau wird. Von schweren Gewissensqualen geplagt, lehnt Hermione ab. Nun
lässt
Thoas die Gefangenen zur Opferung vorführen. Pylades und Orest
behaupten beide,
Orest zu sein. Iphigenie erkennt erst jetzt ihren Bruder. In der
darauffolgenden
Verwirrung stellen sich Iphigenie und schliesslich auch Philoktetes
offen gegen
den blutgierigen König. Mit einer von Philoktetes vorbereiteten
Volkserhebung
wird Thoas gestürzt. Die geretteten Gefangenen und die neuen
Herrscher besingen
Freiheit, Hoffnung und Ruhe.
Oreste gehört
zu jenen Opern Händels, die er zum Teil aus Arien seiner
früheren Werke
zusammengestellt hat: es handelt sich um ein sogenanntes „Pasticcio“.
Doch wäre
die Vorstellung unzutreffend, Oreste sei im wesentlichen
ein
Opern-Potpourri. Die von Händel ausgewählten Arien – darunter
einige der gelungensten
seiner gesamten Komponistenlaufbahn – stehen vielmehr in
engster Beziehung zum
dramatischen Kontext und wurden wenn nötig dementsprechend
bearbeitet. Ebenso
komponierte Händel die Rezitative neu. Erst seit wenigen Jahren
wird Oreste
in
Forschung und Praxis jene Aufmerksamkeit entgegengebracht, die der Oper
aufgrund ihres Rangs als herausragendes Spätwerk Händels
zukommt. Seit 1734 erlebte Oreste nicht
mehr als eine Handvoll Aufführungen weltweit. Es liegt
deshalb nahe, dass sich das auf die Wiederentdeckung von Pasticci
spezialisierte Basler Ensemble „Pasticcio Renano“ nunmehr dem Oreste
widmet – einem der nach Ansicht des Musikforschers Bernd Baselt
„dramaturgisch
stärksten und [...] glaubhaftesten“ Werke Händels. |
"Das freie Barockopernensemble Pasticcio Renano, das sich musikalisch auf Absolventen der Schola Cantorum unter der Leitung von Stefan Brandt stützt, zeigte sich auf der musikalischen Seite gleichwohl konkurrenzfähig [gegenüber den Produktionen "Giulio Cesare" am Opernhaus Zürich, sowie "Sosarme" in St. Gallen]. Auf historischen Instrumenten mit all ihren Möglichkeiten der Artikulation und ihrem Farbenreichtum entfachten sie ein temperament- und stimmungsvolles Händel-Feuer auf der Basis eines tollen Continuos mit zwei Cembali, Cello, Bass und Theorbe. Auch hier setzten die Frauen die
sängerischen
Akzente: Heike Porstein als Ermione und Ulrika Strömstedt in der
Titelrolle
stürzten sich mit stimmlicher Agilität und Souverenität
in Händels Koloraturen
[...]"
"Den Oreste sang Ulrika
Strömstedt mit
ebenmässigem, hell timbrierten, metallisch grundiertem
Mezzosopran. Sie
steigerte sich im Verlauf des Abends zu einer immer wieder
berührenden
Gestaltung und meisterte die vielen Verzierungen ebenso elegant und
mühelos wie
die langen Melodiebögen ihrer Klage im zweiten Akt. Die
eigentliche Hauptfigur
der Oper ist trotz des Titels Ermione. Die Sopranistin Heike Porstein
hat
echtes Bühnentemperament und liess sich von ihrer Rolle
mitreissen. In ihrer
ersten Auseinandersetzung mit Thoas etwa stoben die Funken. Die
Koloraturketten
der nachfolgenden Arie waren bei ihr wirklich Ausdruck hellen Zorns.
[...] Ein
kleines Ensemble auf barocken Instrumenten unter der Leitung von Stefan
Brandt
begleitete die Sänger in gemeinsamem Atem und spürbarer
Übereinstimmung. Brandt
hielt die Musik in organischem Fluss; das Ensemble musizierte
ausdrucksvoll und
farbenreich, mit einer stilsicher agierenden, reich besetzten
Continuo-Gruppe." Alfred Ziltener in der Basellandschaftlichen
Zeitung, 7. 3. 2005 "Musikalisch ist "historische
Aufführungspraxis" angesagt, was für die Veranstalter eine
"gegenwartsnahe Inszenierung" nicht ausschliesst – im Gegenteil: In
der Barockzeit wurden die zumeist antiken Librettostoffe im Gewand der
Zeit
dargeboten. [...] Händel am Rhein, vom "pasticcio renano" frisch
aufgebacken." |
| Bild & Ton | ||||
| Audioclips (mp3): |
Arie "Dirti vorrei" Regula Konrad, Mezzo- Sopran |
Arie "Dite pace e fulminate" Heike Porstein, Sopran |
Duett
"Ah, mia cara" Heike Porstein, Sopran Ulrika Strömstedt, Mezzo- sopran |
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| Fotos: Christine Koblizek |
