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Das Basler Barockopernensemble.


Oreste (Scala Basel, März 2005)

Händels Oreste

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Oreste

Händels Oreste


Händels Opera seria Oreste wurde im Dezember 1734 im Londoner Opernhaus Covent Garden uraufgeführt. Händels Operntruppe stand zu dieser Zeit in einem harten Konkurrenzkampf mit der „Opera of the Nobility“, die von wichtigen Vertretern des Adels und vom englischen Kronprinzen Frederick unterstützt wurde. Nachdem die „Nobility“ im Jahre 1734 etwa durch Nicola Porporas Oper Arianna in Nasso grosse Publikumserfolge erzielt hatte, sah sich Händel in Zugzwang.

         Eine der ersten Opern, mit der er eine Wende in der Auseinandersetzung herbeiführen wollte, war der Oreste, der im Kern auf Euripides’ Tragödie Iphigenie bei den Taurern zurückgeht.

 

Iphigenie dient als Priesterin der Artemis auf der Insel Tauris und muss dort gegen ihren Willen die grausamen Gesetze des Königs Thoas ausführen. Jeglicher Fremde, der den Boden von Tauris betritt, soll geopfert werden. Der nach der Tötung seiner Mutter Klytämnestra halb wahnsinnige Orest, der Bruder Iphigenies, erreicht den Strand von Tauris. Iphigenie findet ihn, und ohne ihn zu erkennen, beschließt sie seine Rettung und versteckt ihn. Sie weiht den ihr ergebenen Hauptmann Philoktetes ein, der zugleich Vertrauter des Thoas ist. Orestes Ehefrau Hermione und sein Freund Pylades, die Orest aufgrund einer Weissagung gefolgt sind, kommen ebenfalls auf Tauris an. Sie werden sofort von Thoas verhaftet und zum Tode verurteilt. Thoas glaubt in jedem Fremden Orest zu erkennen, der nach einem Orakelspruch seine Herrschaft beenden wird. Der wirkliche Orest erkennt den gefesselten Pylades und verlässt sein Versteck. Daraufhin wird auch er festgenommen. Thoas befiehlt die umgehende Tötung der Gefangenen. Zuvor aber bietet er der schönen Hermione die Freilassung an, wenn sie seine Frau wird. Von schweren Gewissensqualen geplagt, lehnt Hermione ab. Nun lässt Thoas die Gefangenen zur Opferung vorführen. Pylades und Orest behaupten beide, Orest zu sein. Iphigenie erkennt erst jetzt ihren Bruder. In der darauffolgenden Verwirrung stellen sich Iphigenie und schliesslich auch Philoktetes offen gegen den blutgierigen König. Mit einer von Philoktetes vorbereiteten Volkserhebung wird Thoas gestürzt. Die geretteten Gefangenen und die neuen Herrscher besingen Freiheit, Hoffnung und Ruhe.  

 

Oreste gehört zu jenen Opern Händels, die er zum Teil aus Arien seiner früheren Werke zusammengestellt hat: es handelt sich um ein sogenanntes „Pasticcio“. Doch wäre die Vorstellung unzutreffend, Oreste sei im wesentlichen ein Opern-Potpourri. Die von Händel ausgewählten Arien – darunter einige der gelungensten seiner gesamten Komponistenlaufbahn – stehen vielmehr in engster Beziehung zum dramatischen Kontext und wurden wenn nötig dementsprechend bearbeitet. Ebenso komponierte Händel die Rezitative neu. Erst seit wenigen Jahren wird Oreste in Forschung und Praxis jene Aufmerksamkeit entgegengebracht, die der Oper aufgrund ihres Rangs als herausragendes Spätwerk Händels zukommt. Seit 1734 erlebte Oreste nicht mehr als eine Handvoll Aufführungen weltweit. Es liegt deshalb nahe, dass sich das auf die Wiederentdeckung von Pasticci spezialisierte Basler Ensemble „Pasticcio Renano“ nunmehr dem Oreste widmet – einem der nach Ansicht des Musikforschers Bernd Baselt „dramaturgisch stärksten und [...] glaubhaftesten“ Werke Händels.


Pressestimmen

"Das freie Barockopernensemble Pasticcio Renano, das sich musikalisch auf Absolventen der Schola Cantorum unter der Leitung von Stefan Brandt stützt, zeigte sich auf der musikalischen Seite gleichwohl konkurrenzfähig [gegenüber den Produktionen "Giulio Cesare" am Opernhaus Zürich, sowie "Sosarme" in St. Gallen]. Auf historischen Instrumenten mit all ihren Möglichkeiten der Artikulation und ihrem Farbenreichtum entfachten sie ein temperament- und stimmungsvolles Händel-Feuer auf der Basis eines tollen Continuos mit zwei Cembali, Cello, Bass und Theorbe.

Auch hier setzten die Frauen die sängerischen Akzente: Heike Porstein als Ermione und Ulrika Strömstedt in der Titelrolle stürzten sich mit stimmlicher Agilität und Souverenität in Händels Koloraturen [...]"

 Reinmar Wagner in Musik&Theater, Mai 2005

 

"Den Oreste sang Ulrika Strömstedt mit ebenmässigem, hell timbrierten, metallisch grundiertem Mezzosopran. Sie steigerte sich im Verlauf des Abends zu einer immer wieder berührenden Gestaltung und meisterte die vielen Verzierungen ebenso elegant und mühelos wie die langen Melodiebögen ihrer Klage im zweiten Akt. Die eigentliche Hauptfigur der Oper ist trotz des Titels Ermione. Die Sopranistin Heike Porstein hat echtes Bühnentemperament und liess sich von ihrer Rolle mitreissen. In ihrer ersten Auseinandersetzung mit Thoas etwa stoben die Funken. Die Koloraturketten der nachfolgenden Arie waren bei ihr wirklich Ausdruck hellen Zorns. [...] Ein kleines Ensemble auf barocken Instrumenten unter der Leitung von Stefan Brandt begleitete die Sänger in gemeinsamem Atem und spürbarer Übereinstimmung. Brandt hielt die Musik in organischem Fluss; das Ensemble musizierte ausdrucksvoll und farbenreich, mit einer stilsicher agierenden, reich besetzten Continuo-Gruppe."

Alfred Ziltener in der Basellandschaftlichen Zeitung, 7. 3. 2005

 

"Musikalisch ist "historische Aufführungspraxis" angesagt, was für die Veranstalter eine "gegenwartsnahe Inszenierung" nicht ausschliesst – im Gegenteil: In der Barockzeit wurden die zumeist antiken Librettostoffe im Gewand der Zeit dargeboten. [...] Händel am Rhein, vom "pasticcio renano" frisch aufgebacken."

 Jürg Erni im bazkulturmagazin (Tagestipp der Redaktion), 8. 3. 2005

Bild & Ton



Audioclips (mp3):
Arie "Dirti vorrei"
Regula Konrad, Mezzo-
Sopran
Arie "Dite pace e fulminate"
Heike Porstein, Sopran
Duett "Ah, mia cara"
Heike Porstein, Sopran
Ulrika Strömstedt, Mezzo-
sopran

Oreste










Fotos: Christine Koblizek

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